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Infrarotaufnahmen - Thermografie

Ein Haus in Regenbogenfarben - die Fenster sind rot, die Wände leuchten gelb und grün, während das Dach in tiefem dunkelblau erstrahlt. Hierbei handelt es sich nicht um die neusten Modefarben verrückter Hauseigentümer, sondern um Gebäudethermografien. In den letzten Jahren findet dieses Verfahren, Wärmeverluste des Hauses so sichtbar zu machen, immer größere Verbreitung. Der Grund dafür sind die immer weiter steigenden Heizkosten.

Doch um die farbigen Wärmebilder zu verstehen, ist schon etwas graue Theorie nötig: Heizwärmeverluste entstehen u.a. über unsichtbare Wärme- oder Infrarotsstrahlen, die über die Gebäudeoberflächen abgegeben werden. Auch wenn wir diese Strahlung nicht sehen können, so ist es doch möglich, mit speziellen Infrarotkameras die Strahlung aufzunehmen und in sichtbare Farben umzuwandeln.

Anhand der unterschiedlichen Farben ist es nun möglich, zu erkennen, an welchen Gebäudeteilen weniger und wo mehr Heizwärme verloren geht. Die roten Bereiche zeigen starke Wärmeverluste an, gelb und grün mittlere. Alle blauen Gebäudeteile sind also relativ kalt.

Allerdings liegt auch hier die Tücke im Detail. Um Thermogramme zu erstellen und um die Bilder richtig zu deuten, sind Fachwissen und Erfahrung erforderlich. Für den Laien ist wichtig, zu wissen, dass Infrarotaufnahmen von Gebäuden nur in der Heizperiode zwischen Oktober und April gemacht werden können. Erst ab Temperaturunterschieden zwischen Innen- und Außentemperatur von ca. 10 bis 15°C, lassen sich aussagekräftige Bilder erstellen. Sonne, Regen und Schnee stören die Aufnahme. Von der Sonne angestrahlte Bauteile weisen ganz ähnlich wie schlecht dämmende Bauteile höhere Temperaturen auf. Deshalb sollten die Aufnahmen nachts, mehrere Stunden nach Sonnenuntergang erfolgen. Niederschlag kann je nach Temperaturverhältnissen und Wasseraufnahmefähigkeit der Bauteile, diese erwärmen oder abkühlen. Bei der Trocknung kühlen die Bauteile aus. Schnee deckt die Dachflächen ab, so dass dann dort nur noch die Oberflächentemperatur des Schnees gemessen wird.

Hinterlüftete Bauteile wie das Dach oder Verschalungen zeigen oft keine erhöhten Temperaturen, auch wenn sie schlecht oder gar nicht gedämmt sind, da die Materialien nicht von innen erwärmt werden. Hier bietet sich die Thermografie von innen an. Die Farben sind auf den Innenseiten gerade anders zu interpretieren: gut gedämmte Bereiche zeigen die höchsten Temperaturen, schlecht gedämmte dagegen niedrige. Innenaufnahmen sind i.d.R sehr viel zeitaufwendiger, führen aber meist zu genaueren Ergebnissen.





Für wen sind Thermografien sinnvoll?

Gerade bei älteren oder häufig umgebauten Häusern fehlen den Eigentümern oft genaue Unterlagen über die Bausubstanz und Ihren Zustand. Hier ist es sehr hilfreich zu sehen, wie gut die Bausubstanz dämmt und wo sich Wärmebrücken befinden. Durchfeuchtungen, Rohrbrüche und insbesondere Flachdachleckagen lassen sich leicht aufgrund unterschiedlicher Wärmespeichereigenschaften von Bausubstanz und Wasser nachweisen.

Wer sein Haus bereits saniert hat, erkennt und beweist durch Thermografien ggf. Mängel in der Bauausführung. Nicht fachgerecht eingebaute Fenster, Lücken in der Dämmung, selbst perfekt kaschierter Pfusch wird oft durch Thermografien entlarvt. Ebenso kann das Ausmaß von Zerstörungen, z. B. von Marderschäden in der Dachdämmung, festgestellt werden, ohne dass das Dach geöffnet werden muss.

Beim Neubau sollte auf jeden Fall ein blower-door-Test zur Feststellung der Luftdichtheit durchgeführt werden. Dies wird im Winterhalbjahr durch die Thermografie wirkungsvoll unterstützt, da so alle Leckagen schnell aufgezeigt und dokumentiert werden können.



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